Chronologie
Presse + Fotos

Mitteilung vom 30. November 2016

Verlegung von Stolpersteinen am Donnerstag, den 4. Mai 2017 an 6 Stellen in Augsburg

Am Vorabend (Mittwoch, den 3. Mai) Vortrag mit Gunter Demnig.

Nach dem einschlägigen Stadtratsbeschluss, der bekanntlich beinhaltet, dass spätestens ab 18.03.2017 Stolpersteine auf öffentliichem Grund verlegt werden dürfen, haben wir am 3. Juni einen entsprechenden "Antrag" an die Stadtverwaltung gestellt. Diese hat gegenüber der Liste zu ehrender Opfer bislang keine Bedenken geäußert. Die Steine gingen nun in Produktion und werden am 4. Mai ab 9:00 Uhr vom Künstler persönlich verlegt. Nähere Angaben zu den Orten finden Sie auf unsere Seite http://www.stolpersteine-augsburg.de/Site/augsburger_stolpersteine.html

 

Mitteilung vom 17. März 2016

Auch Augsburg bekommt Stolpersteine
auf öffentlichem Grund

Am heutigen Donnerstag, den 17.3.2016, hat der Stadtrat ohne Gegenstimmen ein Konzept für dezentrales Gedenken an Opfer des NS-Regimes verabschiedet.

Der Initiativkreis Stolpersteine begrüßt diesen in einem langwierigen Prozess erarbeiteten Kompromiss ausdrücklich. Dieser enthält gleichberechtigt drei Formen, nämlich Stolpersteine, Stelen und Tafeln, und löst somit den schwelenden Konflikt um die angemessene Art und Weise des Gedenkens auf eine pragmatische und gangbare Art und Weise. Der Kompromiss ermöglicht es Angehörigen und Organisationen, ihren Opfern auf die jeweils angemessenste Form zu gedenken, ohne dass Personen oder Gruppen durch ein zu enges Konzept ausgeschlossen werden.

Ein guter Tag für die Friedensstadt Augsburg!

Im Wortlaut: Der „Augsburger Weg“ der dezentralen Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes

Die Kommission Erinnerungskultur empfiehlt dem Augsburger Stadtrat, bezüglich der dezentralen Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes Folgendes zu beschließen:

1. Die Stadt Augsburg fördert das Gedenken an die Opfer des NS-Unrechtsregimes durch individuelle, dezentrale, bürgerschaftlich initiierte Erinnerungszeichen im öffentlichen Raum, möglichst an deren letzten frei gewählten Wohnorten. Erinnert werden soll an alle Opfergruppen, unabhängig von deren politischer, weltanschaulicher, religiöser und sexueller Orientierung und ethnischer Herkunft.

2. Insbesondere folgende Formen des Gedenkens werden unterstützt und genehmigt:

a) „Stolpersteine“ auf öffentlichem Grund vor Gebäuden, in denen NS-Opfer zuletzt aus freiem Entschluss gewohnt haben. Es ist ein Vertrag mit dem Inhaber des Urheberrechts der Stolpersteine, ähnlich der Regelung in Berlin, anzustreben.

b) Nach einem einheitlichen, künstlerischen Gestaltungsprinzip konzipierte Tafeln (beidseitig), die beispielsweise an Laternensäulen und Straßennamenträgern angebracht werden und sich in größtmöglicher Nähe zum letzten freiwillig gewählten Wohnort befinden.

c) Nach einem einheitlichen, künstlerischen Gestaltungsprinzip konzipierte Stelen an markanter Stelle eines Straßenzuges, die mit den Namen und den letzten frei gewählten Wohnorten der in der Straße ansässigen NS-Opfer beschriftet sind. Die Stelen sollen in Bezug stehen zu unmittelbar vor den Hauseingängen auf öffentlichem Grund eingebrachten Erinnerungszeichen, die eine Identifikation ermöglichen, aber nicht den Namen des Opfers enthalten.

Ergänzend wird ein virtuelles, öffentlich einsehbares Gedenkbuch mit biografischen Kurzporträts der NS-Opfer und ihrer Verortung im Stadtraum befürwortet. Die Biografien sollen durch bürgerschaftliche Initiativen erarbeitet und von einem zu gründenden Fachbeirat wissenschaftlich begleitet werden.

Bei Entscheidungen zu inhaltlichen Fragen holen die zuständigen, städtischen Stellen eine Empfehlung des zu berufenden Fachbeirats ein.

Zusätzlich soll auch weiterhin die Kennzeichnung von Verfolgungs- bzw. Täterorten (insbesondere an öffentlichen Gebäuden) zur Erinnerung an Opfer des NS-Regimes gefördert werden. In künftigen Fällen ist eine einheitliche Gestaltungslinie (Wiedererkennbarkeit) anzustreben.

3. Sofern sich örtliche Repräsentanten einer Opfergruppe explizit gegen eine bestimmte Form des individuellen Erinnerns aussprechen, so ist diese Entscheidung zu respektieren. Ausnahmen sind nur möglich, wenn Angehörige von Opfern ausdrücklich ein Erinnerungszeichen wünschen oder ihren Willen zu Lebenszeiten schriftlich niedergelegt haben. Umgekehrt sollen Erinnerungs-zeichen nur dann gesetzt werden, wenn sich Angehörige nicht ausdrücklich dagegen aussprechen. Der Wunsch der Angehörigen hat immer Vorrang und ist von den jeweiligen Initiativen zweifelsfrei zu dokumentieren.

Angehörige sind der/die Verlobte(r), Ehegatte oder Lebenspartner(in), Personen, die mit dem Opfer in gerader Linie verwandt oder verschwägert sind sowie Personen, die mit dem Opfer in der Seitenlinie bis zum vierten Grad verwandt oder bis zum dritten Grad verschwägert sind.

4. Die Initiative zur dezentralen Ehrung von NS-Opfern und die notwendigen Recherchearbeiten sollen von der Öffentlichkeit ausgehen, z.B. von Verbänden, Vereinen, Initiativgruppen, Angehörigen und Privatpersonen. Hierbei sind Patenschaften für die Herstellung, den Unterhalt und weitere Aufgaben um die jeweiligen Erinnerungszeichen erwünscht.

5. Die oben zu Ziffer 2 genannten öffentlichen Erinnerungszeichen kommen insbesondere für
folgende Opfer des Nationalsozialismus in Betracht:

a) in Ghettos, Konzentrationslagern, Haft- und Vernichtungslagern sowie Heil- und Pflegestätten
ermordete und gestorbene Menschen;

b) durch Verfolgung, Schikane oder Demütigung in den Suizid getriebene Menschen;

c) auf der Flucht vor den Nationalsozialisten ums Leben gekommene Menschen;

d) durch die Folgen von Inhaftierung und Zwangsarbeit gestorbene Menschen.

6. Soll jenseits des unter Ziffer 5 genannten Opferbegriffs ein Erinnerungszeichen aufgrund nachvollziehbarer Gründe gesetzt werden, berät hierüber ein vom Stadtrat zu berufender, ständiger Fachbeirat und gibt eine Empfehlung ab.

 

Mitteilung vom 17. April 2016

Hans Well und Wellbappn

Das gestrige Musikkabarett zugunsten der Stolpersteininitiative Augsburg war ein großer Erfolg. Der Annassal war brechend voll, das Publikum begeistert. Den Wells herzlichen Dank für ihre Unterstützung!


„Gerne unterstütze ich wie schon in München die Augsburger Aktion zugunsten von Stolpersteinen. Ich finde die Stolpersteine gut, weil sie ein dezentrales, aber konkretes Erinnern ermöglichen. Die Nähe des normalen Lebensraum, aus dem die Opfer des Rassenwahnsinns gerissen wurden, verdeutlicht die Brutalität dessen, was sonst nur Geschichte ist.“ (Hans Well)

Der Generationenwechsel erweist sich da nur förderlich, ist es Primat der Jugend, Dinge und vor allem die dazugehörigen Leute nur unbekümmerter und gleich noch eine Spur respektloser beim Namen zu nennen. Alte Biermösl-Tugenden leben herzerfrischend verjüngt fort, Politsatire mengt sich mit herrlichstem literarischen Klamauk, bereichert noch um eine beeindruckende instrumentale Vielfalt. (Donau Kurier)

Bairisches Musikkabarett in seiner besten Form, hochaktuell und dabei musikalisch toll umgesetzt, mit jugendlicher Frische vorgetragen und auch inhaltlich mittlerweile generationenübergreifend. (Der Bote)

Die vertrauter Mischung aus Spott, Satire, Politikkabarett und textlich hintersinnigem Liedgut, nur jünger, frischer und spontaner. (Fränkischer Tag)

Ein frisches, rotzfreches Quartett also, das sämtliche Facetten des musikalischen Kabaretts beherrscht. (Pfaffenhofener Kurier)

„Wellbappn“, das ist ein neuer, frischer musikalischer Satirewind, ein unglaublich locker, entspanntes Gesangs-Kabarett, ein generationenübergreifender virtuoser Leckerbissen. (Münchner Merkur)

   

Augsburg
im Mai 2015:

Stolpersteine auf
öffentlichem Grund
entdeckt!

 

Frankfurt, den 20. und 22.5.2015:
Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, und Prof. Dr. Salomon Korn, Vizepräsident, kristisieren Münchner Anti-Stolperstein-Beschluss deutlich

Näheres dazu in unserer Chronologie >>>


Ein Jahr nach Augsburg: Gunter Deming war wieder in unserer Gegend auf Tour:

Am 26. Mai, exakt ein Jahr nach Augsburg:

Wir gratulieren den Stadträtinnen und Stadträten für ihr mutiges Bekennen zu dieser einzigartigen Gedenkform. Leider sind wir in Augsburg noch nicht ganz so weit. Unsere Stolpersteine liegen auf Privatgrund, weil der Stadtrat die Verlegung auf öffentlichem Grund bislang nicht erlaubt hat.

"Seit der Künstler Gunter Demnig im Jahre 1996 damit begann, in über 800 deutschen Städten und Dörfern 'Stolpersteine' zu verlegen - kleine Gedenktafeln aus Messing vor den Häusern, aus denen die Nationalsozialisten Menschen abholten -, ist es augenfällig: In mancher Straße findet man vor jedem dritten Haus Namen, einzelne oder die ganzer Familien. In diesen Straßen kann es nicht zu übersehen gewesen sein, dass Nachbarn fehlten: die jüdische Familie, das Mädchen mit Down-Syndrom, der Homosexuelle, die Kommunistin.“

Möchte Augsburg genau das vermeiden?

Zitat aus: Jennifer Teege, Nikola Sellmair: AMON. Mein Großvater hätte mich erschossen. Rowohlt Verlag, Reinbek 2013, S. 100 (Erst mit 38 Jahren erfuhr Jennifer Teege durch einen Zufall ihr Familiengeheimnis: Sie ist die Enkelin des KZ-Kommandanten Amon Göth.)

 

 

Mai 2014: Stolpersteine in Augsburg verlegt

Am 26. Mai 2014 wurden nach langer Vorbereitung die ersten Augsburger Stolpersteine vom Künstler Gunter Demnig persönlich verlegt. In einer sehr würdigen Veranstaltung vor dem Eingang des Peutingerhauses, organisiert von der Adlhoch-Stiftung und uns, wurden Anna und Hans Adlhoch nun zu den ersten Nazi-Verfolgten, die in unserer Stadt auf diese Weise geehrt werden.

Link zum Projekt des Erfinders der Stolpersteine, des Künstlers Gunter Demnig: www.stolpersteine.eu bzw. www.stolpersteine.eu/kontakt/#c270

Augsburger Stadtplan (Google Maps) mit einem Rundgang zu allen vom Stadtrat "noch nicht beschlossenen" Verlegestellen. Eine rühmliche Ausnahme bildet die Peutingerstr. 11: Dort liegen die ersten Steine auf dem Privatgrund der Hans- und Anna-Adlhoch-Stiftung.


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Initiativkreis Stolpersteine für Augsburg - Bildquelle Header: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Stolperstein_Ernst_Lossa.jpg